Meine Magisterarbeit als Buch
Ich kann mich jetzt als Buchautorin bezeichnen.
Es ist zwar nur meine Magisterarbeit, die ein Verlag veröffentlicht hat, der auf Abschlussarbeiten spezialisiert ist. Aber immerhin: Es hat 124 Seiten, ein ansprechendes Cover und trägt mein Foto auf der Rückseite. Achso, und innen findet sich ein Text, den ich geschrieben habe. Man kann darin blättern, ihm einen Ehrenplatz im Bücherregal zuweisen und: es bei amazon bestellen, nämlich hier. Um mein Ego zu erfreuen, gebe ich künftig also meinen Namen nicht mehr bei Google, sondern direkt bei amazon ein. Abgesehen von den möglichen Rechtschreibfehlern, die niemand rausredigiert hat, weil ich einfach ein PDF eingereicht habe, das dann verwurstet wurde, stört mich nur der Preis:
59 Euro.

Das ist gesalzen und gepfeffert. Mensch fragt sich, wer auf einen solch absurden Betrag kommt – und warum?! (Wie soll ich auf diese Weise damit reich werden?!) Die Antwort findet sich in den FAQ des Verlages: “Die Höhe des vom Verlag festzulegenden, verbindlichen Ladenverkaufspreises hängt von diversen Faktoren ab. Hierzu zählen die Schätzung der absetzbaren Auflagenhöhe, die Bestimmung und Bewertung der jeweiligen Kundengruppen, die vom Textumfang abhängigen variablen Produktionskosten, die projektbezogenen fixen Kosten, die voraussichtlichen Marketingmaßnahmen und die Vertriebswege sowie ganz wesentlich: unsere Erfahrung und ein Quäntchen “verlegerisches Gespür”.”
Mit anderen Worten, ich kann leider keine Auskunft darüber geben, warum mein Buch so teuer ist, aber vermutlich einfach, weil es so toll ist
P.S. Ein Weihnachtsgeschenk für meine Eltern hab ich jetzt also auch schon.
Nachtrag 18. Januar 2011: Da das Buch eh niemand kauft, könnt ihr euch die Arbeit auch hier herunterladen (hoffentlich verstoße ich damit nicht gegen irgendwelche Vertragsklauseln…:-/)
MiezCat beantwortet Deine Fragen – als Videolog
Meine Empfehlung der (vergangenen) Woche entstammt der Kategorie “Sinn und Unsinn”:
Offenbar wurde ihm aber auch das langweilig – wie es scheint, hat man als Kater nicht allzu viel zu tun, wie seine Tweets dokumentieren: “Tag fast vorbei und ich habs bisher vermieden, mich zu bewegen. Wenn ich muss, lass ich laufen. Wozu hat man Diener?”. Jedenfalls hat FritzTheMiezCat sich etwas neues einfallen lassen: “Frage die Miezekatze!”
Der Appellton passt zum anmaßenden Habitus des dicken Fellknäuls, das sich schon in seinen Vlogs nicht zu schade war, andere für seine Zwecke einzuspannen (siehe Folge 7: Behind the Scenes)
Der Versuch potentielle Nutzer in die Videoblogs einzubinden könnte natürlich auch einem echten Bedürfnis nach kommunikativem Austausch entspringen. Gelten Mietzekatzen doch gemeinhin als gesellige Zeitgenossen, die sich auch schonmal herablassen, sich mit Vertretern anderer Spezies abzugeben – Enten zum Beispiel.
Welche Beweggründe tatsächlich dahinter stecken? Fragen wir ihn doch einfach selbst!
Beantwortet (in Videoform und durchaus überzeugend) hat FritzTheMiezCat bisher zwei Fragen:
“Lieber Fritz, gibt es diesen “Mio” wirklich oder ist das mehr so eine Art imaginärer Miezekatzenfreund?”
und
Dino gewinnt den MobileCityWalk – wie es dazu kam
Wer hätte das gedacht? Völlig unbedarft und mit rudimentärem Werkzeug stiefele ich los – und die Community kürt mich kurzerhand zur Citygewinnerin.
Die Rede ist vom MobileCityWalk in Saarbrücken, organisiert von @ChiliConCharme (danke dafür).
Grade mal ein paar Wochen bei Twitter und tags zuvor noch meinen ersten Twitter-Stammtisch in Saarbrücken besucht, sah ich den MobileCityWalk als gute Möglichkeit, die saarländischen Twitterer näher kennenzulernen und vor allem viel Spaß zu haben. Und den hatten wir! – Wie auch die Berichte von @ChiliConCharme, @mwanke, @Chrysadelic zeigen: hier, hier, hier und hier
Als “Fotografiermaschine” waren nur Handys erlaubt. Hab ich ja eins, man kann sogar damit fotografieren… Ein Samsung SGH 800 mit 5.0 Megapixel. Es ist zwei Jahre alt und neben den iPhones und Desires meiner Mit-Walker sah es dann ungefähr so aus wie eine Buschtrommel neben einer Telefonzelle.
Aber von solchen Lapalien lasse ich mich ja nicht entmutigen.
Ich stürzte mich also ins mobile Leben in der Stadt – so hieß das Motto des City Walk und sobald wir losgingen richtete sich unser fotographisches Auge darauf aus . Bei mir geschah das langsam. Mein erstes Foto war ein witzloser Motorroller (das Foto habe ich mittlerweile gelöscht, zu plump) das zweite immerhin schon ein Handwägelchen mit Töpfen darin. Mit der Zeit verfeinerten sich aber unsere Perspektiven, wobei ich es interessant finde, wie unterschiedlich sich das Motto interpretieren ließ.
@beatnig hatte gleich zu Anfang die zündende Idee, einen kleinen Dino in unsere Obhut zu nehmen. Der kleine Dinosaarier, wie wir ihn später in einem Anfall feingeistigen Wortwitzes nannten, wurde schnell ein begehrtes Motiv. Obwohl er unseres Wissens ein absoluter Anfänger im Modelbusiness war, fand er sich bemerkenswert schnell in seine Rolle ein. Wir waren schier begeistert.
Dass ich - gegen Ende des Walk, kurz bevor mein Akku schlappmachte – , das entscheidende Foto schoss,das später zum Sieger gekürt werden sollte, hatte ich also
1. @beatnigs Weitsicht (obwohl er ja Brillenträger ist), 2. Dinos Talent (ein Vertrag mit Heidi ist in der Verhandlung) und 3. meiner Affinität zu anachronistischen Kommunikationsmitteln zu verdanken.
(Fotos nur teilweise geklaut)
Aus Blog 8 von @Pony Q: “Eigentlich rede ich nicht mit Politikern”
Ein Blogeintrag in dem die Autorin quasi “laut nachdenkt” über Politiker, politische Kultur, politische Bildung, Demokratie im Web 2.0… – und was das alles mit ihr selbst zu tun hat. Dazu ein waschechter Politiker, der die Kommentarfunktion sinnvoll zu nutzen weiß. Das ist doch mal einen ersten Eintrag in eine neuen Kategorie wert – bzw überhaupt eine neue Kategorie zu eröffnen.
Neue Kategorie: Empfehlung der Woche
Aus aktuellem Anlass (danke @ponyQ) eine neue Kategorie auf meinem Blog: die “Empfehlung der Woche”. Darunter fallen Dinge über die ich während der Woche im Netz stolpere: Blogeinträge, Projekte, Veranstaltungen etc. pp. – ich lass mich überraschen
“Was Kinder heute gemeinsam können, können sie morgen allein.” (Vygotsky)
Kooperatives Lernen auf dem 4. Saarländischen Ganztagsschulkongress

Beim diesjährigen Ganztagsschulkongress der Serviceagentur “Ganztägig lernen.” in Otzenhausen hatte ich das Glück, Peter Blomerts Workshop zu moderieren. Der Vorsitzende des Green-Institut – Verein für Kooperatives Lernen, Lehren und Leiten e.V. und Schulleiter der Gesamtschule Espenstraße in Mönchengladbach vermittelte einen Einblick wie kooperatives Arbeiten im Klassen- und Lehrerzimmer gelingen kann.
Peter Blomert stellte in meinen Augen den Missing Link her zwischen “Gruppenarbeit…irgendwie” und funktionierendem kooperativem Lernen und Lehren.
Zwei Kernbotschaften nahm ich mit:
1. die Basis erfolgreichen Lernens ist ein Gefühl von Sicherheit – stellt der Lehrende es nicht her, sind die Lernenden so damit beschäftigt es selbst herzustellen, dass Lernen kaum möglich ist
2. “Don’t be boring”
Beide Voraussetzungen schaffte Blomert in seinem Workshop selbst. Der Schulleiter agierte mit den TeilnehmerInnen – LehrerInnen und Pädagogischen Fachkräften – auf Augenhöhe und ließ die Inhalte mit den selben Methoden erarbeiten, die er auch für den kooperativen Unterricht empfahl. “Think-Pair-Share” zum Beispiel – wie ich es verstanden habe, die Grundlage aller Methoden des kooperativen Arbeitens: Zuerst alleine, für sich arbeiten (“Dazu braucht man den Mund nicht”), dann zu zweit über das Thema austauschen, schießlich die gemeinsamen Überlegungen mit der Gruppe teilen.
Damit daraus kein Chaos entsteht und tatsächlich gelernt werden kann helfen “die 5 Grundelemente des aktiven kooperativen Lernens” wie Peter Blomert sie auf der Seite des Green-Institut forumliert, ” den Fokus auf die Bedingungen für gelingendes menschliches Lernen nicht zu verlieren”:
- Herstellung und Aufrechterhaltung eines Gemeinschaftsgefühls „Wir sind ein Team“
- Herstellung und Aufrechterhaltung eines Gefühls der individuellen Verantwortlichkeit für das Lerngeschehen in jede(m/r) Teilnehmer(in): „Ich werde gebraucht“ „Ich bin wertvoll“ „Es kommt (auch) auf mich an“
- Reflektion des Gruppenprozesses „Was haben wir gut gemacht?“ „Was können wir verbessern?“ „Was nehme ich mir/wir uns für das nächste Mal vor?“
- Ständiges Achten und Entwickeln der notwendigen Sozialkompetenzen
- Ermöglichen und Vorbereiten direkter Interaktion, Gestaltung des Lern- und Begegnungsraums
„Was für ein Verhalten ist notwendig, damit wir die Gruppenaufgabe bewältigen?“ „Wie sieht dieses Verhalten aus?“ „Wie hört es sich an?“ „Wie fühlt es sich an?“
Mehr Berichte über den 4. Saarländischen Ganztagsschulkongress, sowie Fotos und Materialien (auch zum Thema Kooperatives Lernen), auf der Homepage der Serviceagentur “Ganztägig lernen.” Diesen Beitrag weiterlesen »
“Alle wollen Ganztagsschule(?)”
Eine vergleichende Policy Analyse zur Einführung der Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz und im Saarland
Abstract meiner Magisterarbeit
Das Thema „Ganztagsschule“ ist nach wie vor eines der populärsten im Bildungsbereich. Darin spiegelt sich die Hoffnung, eine Vielzahl politischer und gesellschaftlicher Aufgaben mit Hilfe von Ganztagsschulangeboten bearbeiten zu können.
Um den bundesweiten Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen zu fördern, hat die Bundesregierung 2003 ein vier Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm “Zukunft Bildung und Betreuung” (IZBB) aufgelegt. Die inhaltliche Qualität soll das Programm “Ideen für mehr! Ganztägig lernen.” sichern, in dessen Rahmen Bund und Länder gemeinsam mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) in 15 Bundesländern regionale Serviceagenturen aufgebaut haben, die Schulen beraten und unterstützen.
Trotz der bundesweiten Programmatik ist die Einführung der Ganztagsschule in allen Bundesländern unterschiedlich verlaufen. Um zu erfahren, welche Faktoren dafür verantwortlich sind, wird in der vorliegenden Arbeit der politische Prozess der zur Umsetzung führt, für zwei konkrete Länder analysiert.
Als Analyseinstrument bietet sich die Policy Analyse an, als Vergleichsländer das Saarland und Rheinland-Pfalz, da sie bei der Einführung der Ganztagsschule große Unterschiede zeigen.
Anhand der fünf Phasen des Policy Cycle die Michael Howlett und M. Ramesh in ihrem Werk „Studying Public Policy“ vorstellen, soll die Frage beantwortet werden, welche Faktoren für den unterschiedlichen Verlauf der Einführung der Ganztagsschule in den beiden Bundesländern verantwortlich sind.
Dabei liegt folgende Hypothese zugrunde: Die Einführung der Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz und im Saarland ist in allen Phasen des Policy Cycle unterschiedlich verlaufen, weil
1. die zugrunde liegenden Paradigmen,
2. die bisherige Schulpolitik sowie
3. die Einbindung unterschiedlicher Akteure
die einzelnen Phasen beeinflusst haben.
Bei der Überprüfung der Hypothese werden qualitativ-inhaltliche Bewertungen, etwa pädagogischer Art, vermieden, da diese eine eigene Forschungsaufgabe darstellen und im gegebenen Rahmen nicht fundiert ausfallen könnten.
Die Arbeit geht zunächst auf Grundlagen der Ganztagsschulthematik ein. Dabei werden die historische Entwicklung, Begründungsstränge und Ziele der Ganztagsschule nachvollzogen sowie eine Definition, Umsetzungsmodelle und Impulse dargestellt. Anschließend wird die Methode der Policy Analyse vorgestellt. Das politikwissenschaftliche Analyseinstrument basiert auf der Annahme, dass der Policy-Making Process von einer Vielzahl interdependenter Akteure direkt oder indirekt gesteuert wird, die ihre Interessen verfolgen und sich dabei gegenseitig unterstützen oder behindern. Dabei können fünf Schritte des Policy Process identifiziert werden: Agenda Setting, Policy Formulation, Decision-Making, Policy Implementation und Policy Evaluation – die idealtypisch einen Policy Cycle bilden. Die Politischen Akteure und Institutionen, die beim Policy-Making eine Rolle spielen, können staatlicher oder gesellschaftlicher Herkunft sein. Anhand der einzelnen Phasen des Policy Cycle, zeigt die vorliegende Policy Analyse die unterschiedlichen Dynamiken bei der Entwicklung von Ganztagsschulangeboten in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Anhand einer Vielzahl von Quellen wird deutlich, dass die Unterschiede in der Ganztagsschulentwicklung der beiden Bundesländer maßgeblich auf vorherrschende Glaubensmuster (z.B. hinsichtlich des Zwecks ganztägiger Angebote) sowie auf die Einbindung bestimmter Akteure zurückzuführen sind.
Beispielsweise wurde die Entwicklung in Rheinland-Pfalz von Anfang an aktiv seitens der Landesregierung, insbesondere des Bildungsministeriums, gestaltet. Im Saarland hingegen brachte erst die Einrichtung einer Serviceagentur „Ganztägig lernen.“ die entscheidende Expertise und Struktur für eine inhaltliche Fortentwicklung des Ganztagsschulprogramms.
Im Ganzen bestätigt sich, dass die Einführung der Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz und im Saarland in allen Phasen des Policy Cycle unterschiedlich verlaufen ist, weil die zugrunde liegenden Paradigmen, die bisherige Schulpolitik sowie die Einbindung unterschiedlicher Akteure die einzelnen Phasen beeinflusst haben – allerdings in unterschiedlicher Gewichtung.
Zudem lässt sich eine These zu den Unterschieden bei der Einführung der Ganztagsschule in verschiedenen Bundesländern generieren:
Je höher die Einbindung der betroffenen Akteure, insbesondere in den Phasen der Policy Formulation und der Policy Implementation, desto geringer sind die Einschränkungen, denen der Staat sich gegenüber sieht.
Inwieweit sich diese These verallgemeinern lässt, wäre durch weitere Forschung zu prüfen. Des Weiteren könnte die vorliegende Analyse mit einer qualitativ-inhaltlichen Untersuchung des Forschungsgegenstandes, etwa nach pädagogischen Kriterien verknüpft werden.
Dadurch wäre es möglich,
- weitere Erkenntnisse über die Ursachen für Unterschiede zwischen verschiedenen Bundesländern bei der Einführung der Ganztagsschule zu gewinnen.
- zu prüfen, inwieweit der (inhaltliche) Erfolg der Maßnahmen sich auf Unterschiede in den verschiedenen Phasen des Policy Cycle zurückführen lässt.
Naja, das klingt wohl alles in allem recht trocken – entstammt eben einer Magisterarbeit, die mit der Policy Analyse ein spezielles, aber sehr interessantes Analysewerkzeug verwendet. Falls es Interessenten gibt, werde ich dieses gerne bei Gelegenheit an dieser Stelle erläutern.
Meine Magisterarbeit erscheint demnächst übrigens beim VDM-Verlag – das werde ich dann natürlich direkt twittern und auch hier bekanntgeben
Bilder: http://www.morguefile.com/
Rückzugsnischen in der Ganztagsschule
Im Saarland hat die Ganztagsschulentwicklung mit sogenannten Freiwilligen Ganztagsschulen (FGTS) begonnen. Politisch gewollt, entstanden Betreuungsangebote nach dem Unterricht, die in der Regel aus Mittagessen, Hausaufgaben und Freizeitangeboten bestanden – meist in den Klassenräumen und auf dem Schulhof, später kamen in vielen Schulen eigene FGTS-Räume dazu.
Damit war die Zeit- und Raumgestaltung der SchülerInnen von morgens bis nachmittags fremd- und gruppenbestimmt. Erst Unterricht, dann gemeinsames Mittagessen und Hausaufgaben, dann gemeinsames Spiel. An manchen Schulen gab es vielleicht einen Schulhof der Rückzugsorte barg oder eine Bibliothek mit Leseecke.
Meist aber waren die Schulgelände noch so gestaltet wie wir sie alle kennen: Räume mit Zweierbänken und kargen Wänden innen – draußen ein gepflasterter, von den Aufsichtspersonen komplett überschaubarer Platz. Der einzige Unterschied zu früher war, dass die Kinder sich an diesen Orten nicht mehr nur vormittags sondern bis 16Uhr aufhalten sollten.
Die Entwicklung ganztägiger Angebote in saarländischen Schulen war zunächst auf Quantität ausgerichtet: “freiwillig, flexibel und flächendeckend” lautete der Slogan. Erst mit der Zeit kam den Verantwortlichen die Erkenntnis, dass es mehr als ein Mittagessen und vier Wände braucht um ein gutes Ganztagsangebot zu sichern – das Stichwort von der “Schule als Lern- und Lebensraum”, wurde langsam (auch mit Hilfe der Serviceagentur “Ganztägig lernen.”) mit Leben gefüllt:
- Zukunftswerkstätten zur Schulhofumgestaltung, bei denen sich zeigte, dass die SchülerInnen, wenn sie die Wahl haben, nicht teure Spielgeräte wollen, sondern Hecken und Höhlen zum Verstecken und Zurückziehen – und die Bereitschaft der Schulträger die Schulgelände auch tatsächlich diesen Wünschenn entsprechend zu gestalten
- Fortbildungen, bei denen LehrerInnen lernten: Wahrnehmung der Aufsichtspflicht muss nicht bedeuten, jederzeit jedes Kind im Blick zu haben – es genügt in Reichweite zu sein
- Beratung, zur Schüler- und Lehrer- beziehungsweise Menschen-freundlichen Raumgestaltung und Rhythmisierung des Ganztags
All das und noch viel mehr gehört dazu, Ganztagsschulen so zu gestalten, dass sie für alle, für SchülerInnen, LehrerInnen und pädagogisches Fachpersonal, ein Ort werden an dem man sich gerne aufhält.
Im Kern bedeutet es, Schule – nicht nur Ganztagsschule – auf die auszurichten, die sich darin aufhalten, und nicht umgekehrt von SchülerInnen zu verlangen, sich komplett an die Institution anzupassen.
Bis wir soweit sind, ist es noch ein langer Weg. Sicher ist aber schon jetzt, dass eine intelligente Ganztagsschulentwicklung sich auf Schule insgesamt auswirkt.
Ein Vorbild für den Umgang mit Zeit und Raum in der Ganztagsbetreuung können Horte sein, mit ihrem Blick für die Bedürfnisse der Kinder. Das Kooperationsmodell FGTS-Hort bietet im Saarland werdenden Ganztagsschulen eine Chance diese Perspektive zu integrieren.
Ein Beispiel aus dem Saarland, das mich nach wie vor besonders beeindruckt ist die Grundschule Kreuzbergschule in Merzig. Das offene Raumkonzept ermöglicht den Kindern sich im Nachmittag frei zwischen verschiedenen Angeboten zu bewegen. Dazu gehört auch ein Ruheraum, in den sich die SchülerInnen – ohne Aufsicht – zurückziehen und in gedämpftem Licht auf Matratzen und Teppichen ausruhen können. Die Aufsichtspflicht wird dadurch gewährleistet, dass auf jeder Etage sowie auf dem Schulhof Betreuungspersonal anwesend ist und die Kinder jederzeit wissen, wo sie sich an jemanden wenden können. Wie sehr die Erwachsenen die Raumgestaltung auf die Kinder ausrichten, zeigt sich an einer Ecke im Flur: In die Nische neben der Treppe hatten Kinder sich immer wieder zum Spielen niedergelassen. Statt sie darauf hinzuweisen, dass der Flur nicht zum Spielen gedacht ist, legten die Betreuerinnen die Ecke mit Teppichen und Kissen aus – und passten den Raum auf diese Weise dem Nutzer an.
Fairerweise muss man sagen, dass die Kreuzbergschule bereits einen Entwicklungsweg von gut 10 Jahren hinter sich und es in dieser Zeit auch geschafft hat, die nötigen Ressourcen zu mobilisieren. Dennoch macht das Beispiel Mut, dass es möglich ist, Schule für alle Beteiligten zu einem Lebensraum werden zu lassen.
P.S. Zu diesem Artikel inspiriert hat mich Sylvia Löhkens Text zu Rückzugsnischen (http://blog.text-atrium.com/2010-05/mehr-ruckzugsnischen-fur-leise-menschen) – Danke dafür!
Bilder: http://www.morguefile.com/
Saarländischer Ganztagsschulkongress
Am Samstag, den 29. Mai 2010 veranstaltet die Serviceagentur “Ganztägig lernen.” einen Saarländischen Ganztagsschulkongress für Freiwillige und Gebundene Ganztagsschulen. Der Kongress steht unter dem Motto „Lernkultur in Ganztägigen Angeboten“.
Dabei bieten ReferentInnen aus Wissenschaft und Praxis verschiedene Workshops an, zu den Bereichen Verzahnung von Vor- und Nachmittag, Individuelle Leistungsrückmeldung sowie Kompetenz- und Handlungsorientierung.
Veranstaltungsort ist die Europäische Akademie Otzenhausen, Europahausstraße, 66620 Nonnweiler
Anmeldeschluss ist der 19.05.2010.
Mehr dazu auf der Homepage der Serviceagentur.
Ein Abenteuer beginnt:
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